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Klangzelte – mit Sounds vor Lärm schützen?

Tanja Deutsch | | 0 Kommentare

© Foto Klaus J. A. Mellenthin

Geräuschteppiche gegen den Lärm der Welt?

In den letzten Jahren wurden Kanäle und Apps mit einem Angebot aus stundenlangen Natursounds wie ‘leichter Sommerregen aufs Zeltdach’ oder eingermaßen monontem Grillenzirpen immer beliebter und zum Lifestyle-Tool für gestresste Erwachsene auf der Suche nach Erholung. Zwitschernde Kunststoffboxen werden für einen entspannten Aufenthalt auf der Toilette empfohlen und man erinnert sich sehnsüchtig an die eigene Kindheit zurück und an den seligen Schlaf auf dem Rücksitz des schnurrenden Autos der Eltern.

Entspannung im Regenwald?

Geräusche aus der Natur (zum Beispiel Wellen, Gewitter, Regen oder Wind) wirken aufgrund des höheren Assoziationspotentials oft weniger befremdlich als die rein technisch komponierten Flächen. Doch auch hier mischen sich unzählige Tonlagen zu komplizierten Frequenzen. Es gibt so viele verschiedene Töne, die durch diese natürlichen Kräfte erzeugt werden, dass solche Geräuschkulissen dieselbe Kraft haben, wie das künstliche weiße Rauschen (eine Tonschicht aus allen für das menschliche Ohr wahrnehmbaren Frequenzen (20 bis 20.000 Hz)). Doch hängt die Wahl von dienlichen Hintergrundgeräuschen ganz von der Intension der Hörenden ab und die kann sehr unterschiedlich sein:

  • Entspannung bis hin zum Einschlafen

  • Versinken in das freie Spiel

  • Konzentration auf Übungen und konkrete Aufgaben

Aufgrund des Assoziationspotentials eigenen sich Naturgeräusche beispielsweise eher für die Kategorien ‚Freies Spiel‘ und ‚Entspannung‘ als für ‚Konzentration‘ – die Gedanken wandern zu gerne zu dem Bachlauf, der voller nachmittäglicher Abenteuer steckt, statt auf dem Blatt mit der Hausaufgabe zu bleiben …

Ähnlich wie bei der erforschten Wirkung von beispielsweise so genanntem White Noise, helfen unsere Klangzelte, das Kind vor unregelmäßigem Lärm zu schützen – so dass es sich ganz auf die gewünschte Situation einlassen kann.

Unsere Klangzelte sind so dicht, dass störende Hintergrundgeräusche verschluckt werden.

Die Kompositionen aus elektronischen und natürlichen Geräuschen, sowie akustischer Musik, wirken wie schützende Zelte, können beruhigen und entspannen und sind sogar trancefördernd. Oder sie fördern die Konzentration, indem sie die Wahrnehmung stimulieren und so klares Denken ermöglichen.

Evolutionär bedingt ‚patrouilliert‘ das Gehirn ständig auf der Suche nach Gefahrenquellen und reagiert auf alle Spontangeräusche – es hat das konstante Bedürfnis, stimuliert zu werden. Klangzelte senden stetige Impulse an das Ohr, ohne es durch besonders hohe oder tiefe Frequenzen zu überstrapazieren, und dadurch entspannt sich das Gehirn zunehmend. Die Kombination von Tönen aller verschiedenen Frequenzen (bei White Noise 20.000 Töne, die alle zur gleichen Zeit gespielt werden) verhindert, dass Zufallsgeräusche bis ans Kinderohr vordringen bzw. sie hilft dem Kind, diese zu ignorieren.

White Noise oder Weißes Rauschen – was ist das eigentlich?

Es wird unterschieden zwischen zwei Arten von ‘Weißem Rauschen’: hohe und tiefe Tonfrequenzen. Sie wirken vollkommen gegensätzlich.

Hohes weißes Rauschen klingt rau, zischend, weinerlich und nervig – wie Sirenen, Alarmtöne, Pfiffe oder Schreie. Diese Geräusche ergeben dann Sinn, wenn man die Aufmerksamkeit von jemandem wecken will (und es funktioniert dadurch auch, um beispielsweise das schreiende Baby zu beruhigen). Zum Schlafen jedoch sind sie denkbar ungünstig.

Das tiefe Rauschen klingt dumpf, dröhnend und hypnotisierend und erinnert an das monotone Geräusch von fahrenden Autos und Flugzeugen, an Regen auf dem Dach oder an einen langweiligen Vortrag. Mit diesen Geräuschen weckt man keine Aufmerksamkeit – aber sie sind perfekt, um jemanden in den Schlaf zu wiegen.

Einschlafhilfe für Babys?

Interessanterweise hören sich die Geräusche in der Gebärmutter anfangs rau und zischend an, aber die weichen Wände der Gebärmutter und das Meer aus Fruchtwasser filtern die hohen Frequenzen heraus, übrig bleibt ein tiefes, donnerndes Rumpeln.

Monotone Geräusche, die das Baby an seine Zeit im Mutterleib erinnern, haben einen beruhigenden Effekt. Bereits ab dem 6. Schwangerschaftsmonat können Babys verschiedene dezente Geräusche wie gedämpfte Töne, den Herzschlag der Mutter oder sogar das monotone Rauschen der Gebärmutter hören.

Die Forschung zeigt, dass sich ununterbrochene Klangteppiche wie ein Fön oder der Regen auf dem Dach als viel wirkungsvoller erweisen – im Vergleich zu einem Herzschlag, Meereswellen oder Naturgeräuschen.

Deshalb haben wir für Säuglinge erprobte und bewährte Einschlafgeräusche* in die Hörboutique aufgenommen.

interessant:

Eltern verwenden intuitiv die richtige Tonhöhe, um ihr schreiendes Baby zu beruhigen. Sie beginnen mit einem lauten, zischenden Schhhh-Geräusch und werden dann langsam tiefer und leiser, während sich das Baby entspannt.

Werner A. Deutsch: Psychoakustik, Wien 2002
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

© Klaus J. A. Mellenthin

Klangzelte – Wirkung und Nebenwirkung

Der Einsatz der Klangzelte kann also beispielsweise Konzentration fördern, oder auch Kopfschmerzen und andere Stresssymptome lindern. Aber: Die Menge macht das Gift. Und auch hier gilt, dass übermäßiger Gebrauch – drei Stunden oder länger am Stück – die gegenteilige Wirkungen hervorrufen kann.


© Jolma Collective

* Die Kollegen von Jolma Collective produzieren eine Auswahl an Alltagsgeräuschen als Einschlafhilfe (nicht nur für Säuglinge!), die bereits millionenfach über Youtube, Spotify, Siri und andere Portale genutzt werden. Bei uns könnt ihr einzelne Sounds kaufen und habt sie so jederzeit, ohne zu streamen und werbefrei zur Hand. In optimaler Spiellänge von 60 Minuten.

Quellen:

Summer, J. 2022: White Noise. In: Sleep Foundation a OneCare Media Company.

https://www.sleepfoundation.org/noise-and-sleep/white-noise, 27.04.2022, 10:40 Uhr

University of Sussex 2017: It’s true: The sound of nature helps us relax. In: ScienceDaily.

https://www.sciencedaily.com/releases/2017/03/170330132354.htm, 27.04.2022, 10:37 Uhr

Stanchina, M./Abu-Hijleh, M./Chaudhry, B./Carlisle, C./Millman, R. 2005: The influence of white noise on sleep in subjects exposed to ICU noise. In: ScienceDirect Sleep Medicine Journal, Vol.6, Issue 5, September 2005.

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1389945704002242, 27.04.2022, 10:46 Uhr

Lopez, H./Bracha, A./Bracha S. 2002: Evidence Based Complementary Intervention for Insomnia. In: Hawaii Medical Journal. Vol.61, September 2002.

https://web-archive.southampton.ac.uk/cogprints.org/5032/1/2002_H.M.J_White-noise_for_PTSD.pdf, 27.04.2022, 11:02 Uhr

Afshar, P.F./Bahramnezhad, F./Asgari, P./Shiri, M. 2016: Effect of White Noise on Sleep in Patients Admitted to a Coronary Care. In: PubMed Central. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4923834/, 27.04.2022, 10:35 Uhr

Veröffentlicht von
Tanja Deutsch

Als Verlegerin schöpfe ich aus meinem Studium der Kunst und der Wirtschaftswissenschaften, sowie aus einer grundlegenden Ausbildung im Verlagshandwerk. Bei der Konzeption und Entwicklung unserer Produkte und in freien Beratungsmandaten setze ich immer auf ein interdisziplinäres Team und befasse mich so mit einer Bandbreite an Branchen und Themen. Wissenschaftlich fundiert und mit viel Praxisbezug – für eine Relevanz in der Anwendung.

Als nebenamtliche Dozentin an verschiedenen Hochschulen widme ich mich ökonomischen Inhalten.

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