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Kunst – Kleine kreative Köpfe erkennen und fördern

Pia Noi Schmid | | 0 Kommentare

Hi, hier ist Pia. 21 Jahre alt, selbstständige Künstlerin und… Nein, lasst uns doch mal poetischer anfangen:

Was ist Kunst?

Kunst ist ein Gefüge. Ein Gefüge an Formen jeglicher Art. Seien sie nun gedanklich oder körperlich. Immerhin steckt hinter vielen Kunstwerken nicht nur das wortwörtlich Greifbare (Musik und solche nicht-körperliche Kunst möchte ich aufgrund fehlender Expertise bitte ausschließen). Zumeist gibt es zu den Werken auch die dazugehörige individuelle, un- / bewusste, gedankliche Interpretation.

Kunst ist relativ un- und vergänglich. Etwas paradox. Aber: Man nehme ein Gemälde, ein Gebäude, ein Buch – alles altert und löst sich mit der Zeit auf. Die Gedanken zu einem Werk, auch das ist Kunst, können wiederum ein ganzes Leben lang bestehen und sogar an andere weitergegeben werden.

Kunst ist wie ein Anker in der Zeit – für die Erschaffenden und die Betrachtenden. Ist man als Künstler:in im Flow, scheint aus eigener Erfahrung die Zeit still zu stehen, obwohl viel passiert. Denn plötzlich entsteht etwas Neues. Aus Gedanken oder Gefühlen wächst etwas zum Sehen und / oder Anfassen. Auf der anderen Seite sind da die Betrachtenden, die sich in Gedanken verlieren und schauen, innerlich fühlen, hinterfragen, interpretieren oder einfach nur sind.

Dasein. Wenn ich meine Zeichnungen und Gemälde erschaffe, dann bin ich einfach. Dann bin ich präsent, denn es gibt kein „Vorher“ und kein „Nachher“, sondern einfach „Jetzt“ – einen Moment. Der Prozess des Schaffens wird mir erst klar, wenn ich mich wieder aus der Trance zurückhole, einen innerlichen Schritt zurückgehe und betrachte, ein paar Stunden vor- und zurückdenke.  Für mich ist diese Feststellung des „Sich-Verlierens“ verrückt, denn der Schaffensprozess ist rein objektiv mit Anstrengung verbunden. Ich bewege die Zeichenunterlage, um überall hinzukommen. Ich muss, egal ob analog oder digital, mal den Stift oder Pinsel austauschen. Für mich ist das mit überdurchschnittlicher körperlicher Anstrengung verbunden.

Beim Zeichnen ist mir dennoch der Prozess, oder eher der Moment, selbst von gleicher Bedeutung wie das Ergebnis am Ende und das finde ich unheimlich erfüllend.

Die kleinen kreativen Köpfe erkennen und fördern

Kunst ist für jedermann. Zeigt ein Kind begeistert seine Bauklotzkonstruktion, den frischen Sandkuchen oder sein kunterbuntes Straßenkreidegemälde? Dann hast du wohl eine:n Künstler:in vor dir stehen! Schätze die Kreativität des Kindes wert, zeige dies und kurble sie an.

Unterstütze, indem du die Gedanken des Kindes beispielsweise durch einen achtsamen Ausflug ins Rollen bringst. Oder ändere doch die Location und nehme die Materialien gleich mit auf den Spaziergang. Sieht das Kind irgendetwas Großartiges? Dann frag doch mal, ob es sich mit dir hinsetzen und es jetzt gleich nachbauen oder -zeichnen möchte. Das heißt nun aber nicht, dass es einer Dauerbeschallung von Eindrücken bedarf, denn manchen liegt eher die Fantasie als der Realismus. Diese Köpfe erschaffen vor allem in einer ruhigen Minute. Alle Künstler:innen haben ihre Eigenheiten und somit ist es auch sehr individuell, wie man fördern kann.

Kunst soll Spaß machen. Es taugt nichts, 20 Verbesserungsvorschläge für das nächste Werk zu machen oder dem Kind eine Tätigkeit anzudrehen, die es aus Sicht von Außenstehenden super kann, jedoch keine Freude bereitet. Alle Menschen und damit auch Kinder sollten das Hobby nicht vom Können und Talent abhängig machen, sondern davon, inwiefern einen die Tätigkeit erfüllt.

Gibt es etwas, was das Kind gerne macht, ist das super.

Von Belohnungen für Ergebnisse von Beschäftigungen, die die Kinder sowieso gern machen, sollte jedoch abgesehen werden. Das Kind soll nicht wegen der Belohnung malen, basteln, bauen, sondern wegen der Freude daran.

Tatsächlich kann die Motivation einer ehemals gern ausgeführten Tätigkeit durch Belohnungen sinken, wie bereits Lepper et al. (1973) zeigten. Diese Psychologen untersuchten Kindergartenkinder, die gerne mit bestimmten Stiften malten. Die Kinder sollten den Leitern der Studie etwas Schönes malen. Kindergartenkinder, denen bei einem schönen Bild eine Belohnung versprochen wurde, hatten nach dem Feldexperiment weniger eigene Motivation mit diesen Stiften weiterhin zu malen als zuvor, als es bei Kindern ohne Versprechung der Belohnung der Fall war. Zudem zeigten Kinder ohne versprochene Belohnung ‘schönere’ Bilder, wobei die Beurteilung durch Personen durchgeführt wurde, die nichts von der Zuteilung der Kinder zu Belohnungsversprechen (oder eben nicht) wussten.

Meine Reise durch die Kunst

Schon im Kindergartenalter liebte ich das Malen. Damals mit Filzstiften und Holzfarbstiften gleichermaßen. Ich malte wie die meisten anderen Kinder vor allem Tiere oder mal meine Kuscheltiere.

Zu Grundschulzeiten begnügte ich mich dann zum Großteil mit Filzstiften oder Gelstiften (auch mal mit Glitzer- oder Metallic-Look, hehe). Holzfarbstifte waren bei mir nicht mehr ganz so angesagt, da bereits meine Muskelkraft nachließ. Durch eine fortschreitende neuromuskuläre Erkrankung namens Spinaler Muskelatrophie (SMA) Typ II verliere bzw. verlor ich an Muskelkraft, dazu aber in einem späteren Blog-Beitrag mehr. Jedenfalls waren nun Zeichnungen von Menschen voll mein Ding – Proportionen beherrschte ich noch nicht. Zeichnen und Malen waren zum richtigen Hobby geworden.

Durch die ganze Übung wurden meine Techniken über die Zeit hinweg ausgefeilter, mein räumliches Verständnis ausgereifter und meine Motivation besser zu werden immer größer. Neben der Qualität erhob sich auch die Diversität meiner Werke. Hantiert habe ich seitdem mit alkoholbasierten Filzstiften, Wasserfarben und (weichen) Bleistiften, wodurch witzige, tiefgründige oder realistische Zeichnungen und Gemälde entstanden.

Was aber nicht mitziehen wollte, waren die Formate meiner Kunstwerke. Ab etwa 16 Jahren war meine Kunst in den meisten Fällen auf DIN-A5 zu verzeichnen, da sich mein Bewegungsradius mit den Jahren leise reduziert hatte. An der Qualität der Bilder änderte dies natürlich nichts! So sah das auch mein damaliger Ergotherapeut, welcher in mir mehr als die stille Hobbykünstlerin sah …

Er meinte zu mir, dass meine Kunst es nicht verdiene, in Schubladen zu verstauben. Auch wenn mir – mit einem Zwinkern – bis zum heutigen Tage unklar bleibt, wie Staub durch Schubladen hindurch kommen soll. So gab ich also mit 17 Jahren meine erste eigene Kunstausstellung und verkaufte erstmals auf einem Künstlermarkt. Meine Zeichnungen ließen wir groß drucken, damit sie ihre Wirkung beim Betrachten voll und ganz entfalten können. Seitdem hatte ich mehrere Ausstellungen und liebe es nach wie vor, in die Gesichter zu blicken, die durch meine Bilder zum Nachdenken oder Lächeln angeregt werden.


Ohrenflausen, Kunst und ich

Und nun?

Mittlerweile darf ich mich mit einem breiten Grinsen eine der Illustrator:innen der Hörboutique Ohrenflausen nennen! Ich gestalte mit Leidenschaft die Hörbuchcover und die dazugehörigen Begleitmaterialien, damit die Kinder Gehörtes verinnerlichen und selbst in die Welt freilassen können.

Nun kreiere ich also nicht mehr nur eine Kunsteinheit für sich, sondern ein Puzzleteil an Kunst, welches zusammengefügt mit den restlichen Teilen, Geschichten, Stimmen, ein Ganzes wird. Dieses wiederum macht einen kleinen Part der Reisen aus, die die Kinder und ihre Eltern oder andere Aufsichtspersonen machen – die Reise des Lebens. Ich hole mir diese Idee immer sehr gern ins Gedächtnis; den Gedanken, dass alles was wir sind und alles was wir sagen oder tun, ein kleiner, aber in der Summe und nach der Integration dennoch bedeutsamer Teil eines Lebens sein kann.

Diese Arbeit gibt mir genau das, was ich brauche. Freiheit für meine Kreativität, nachhaltiger Austausch, Ausgleich zu meinem Studium – all das darf ich nun seit September 2021 hier erleben und sogar in Worten mit euch teilen und bin dafür von Herzen dankbar.

Referenz:

Lepper, M. R., Greene, D., & Nisbett, R. E. (1973). Undermining children’s intrinsic interest with extrinsic reward: A test of the “overjustification” hypothesis. Journal of Personality and Social Psychology, 28(1), 129–137. https://doi.org/10.1037/h0035519

Veröffentlicht von
Pia Noi Schmid

Hey, ich bin Pia! Künstlerin, Optimistin, Psychologiestudentin. Mit meinen 21 Jahren kann ich auf Jahre voller Freude durch das Verfolgen meines größten Hobbys, dem Zeichnen und Malen, sowie daraus entstandenen Kunstausstellungen zurück blicken.
„Einfach immer weitermachen“ ist mein Motto. Die Schulzeit, Operationen und Schmerzen durch meine neuromuskuläre Erkrankung namens Spinaler Muskelatrophie Typ 2 habe ich überstanden, als Model ausgeholfen und Seminare an Schulen und gemeinnützigen Vereinen zum Thema Inklusion gegeben.

Besucht mich gerne auch auf meiner Seite https://pianoischmid.de

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